Geschichte des Eispickel

Der Eispickel ist ein wesentliches Hilfsmittel von Bergsteigern und Kletterern. Er kann als Gehunterstützung auf unwegsamem Gelände dienen und besonders bei Schnee und Eis Halt geben. Die Verwendung als Kletterhilfe an gefrorenen Hängen ist weithin bekannt. Durch den Rettungsgriff kann ein Eispickel zudem bei Stürzen eine Möglichkeit zum Bremsen bieten und ebenfalls bei der Rettung von verletzten Personen helfen.

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Historischer Rückblick: Die Herstellung von Hand

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Traditionell hergestellter Eispickel

Im 19ten und bis zur Mitte des 20ten Jahrhundert wurden Eispickel fast ausschließlich von Hand hergestellt. Inzwischen wurde diese Methode nahezu vollständig durch die industrielle Massenproduktion ersetzt. Vereinzelt werden in kleinen Manufakturen dennoch Eispickel individuell von Hand gefertigt.

Dafür wird ein Stück Maschinenbaustahl (bestehend aus 0,53 % Kohlenstoff, 0,95 % Silizium und 1 % Magnesium) vorgepresst und in wiederholten Durchläufen zu einem Rohling verarbeitet.

Die Korrosionsbeständigkeit des Rohlings wird gesteigert, indem er geschliffen und anschließen auf Hochglanz poliert wird. Moderner Stahl kann durch die Gesenkformung eine besonders hohe Festigkeit erlangen.

Der bei 850 °C vorgeformte Stahl wird in das Gesenk eingeführt und zusammengepresst. Die Fasern des Stahls werden bei dieser Herstellungsmethode lediglich neu ausgerichtet und nicht zerstört. Daraus resultiert die besondere Festigkeit. Dieser Stahlpickel wird mit einem Griff aus Aluminium oder anderen Leichtmetallen verbunden. In der Entstehungszeit des Pickels wurde der Griff aus Holz hergestellt. Als Vorlage dieses Werkzeuges diente der herkömmliche Alpenstock, der lediglich um den Metallpickel erweitert wurde. Die ersten Eispickel waren daher bis zu 1,20 Meter lang.

Moderne Eispickel erreichen inzwischen nur noch eine Länge um 60 Zentimeter und erfüllen ihren Zweck trotzdem. Auf diese Weise konnte das Gewicht eines Eispickels im Vergleich zu seiner Entstehungszeit deutlich gesenkt werden. Heutige Eispickel verfügen zudem über eine Schlaufe, damit der Pickel sicher gehalten werden kann und in einem Notfall nicht verloren geht. Nicht nur der Eispickel, sondern auch der Alpenstock wird bis heute im Alpinismus verwendet.


Eispickel oder Alpenstock

Zwischen Alpinisten gibt es seit der Erfindung des Eispickels Diskussionen, ob der Pickel oder der Alpenstock der bessere Ausrüstungsgegenstand sei. Eine akzeptierte Meinung ist, dass dem Alpenstock in flacheren Lagen und beim Abstieg aufgrund des geringeren Gewichts und der größeren Länge der Vorzug zu gewähren ist. In höheren Lagen und auf Gletschern ist der Eispickel ein unverzichtbares Werkzeug, um sich sicher in diesem Terrain bewegen zu können.

Erstmalig zum Einsatz kam der Eispickel Ende des 19ten Jahrhunderts. Da der Alpinismus immer stärkeren Zulauf bekam, wuchs auch die Nachfrage nach geeignetem Zubehör. Karl Bhend, einem Huf- und Wagenschmied, wird die erstmalige Herstellung eines Eispickels nachgesagt. Dieser wurde neben dem eigentlichen Geschäft als Zusatzverdienst hergestellt und verkauft. In den folgenden Jahren stellten weitere Schmiede Eispickel her, um die stetig steigende Nachfrage zu bedienen.

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Moderne Eispickel wie sie heute im Einsatz sind

Traditionelle Eispickel meist nur noch Sammlerobjekt

Nachdem Alfred Bhend, der Sohn von Karl Bhend, um 1940 als einziger in der Eispickelherstellung übrig geblieben war, sorgten die Himalaja-Expeditionen 1953 und 1956 für neuen Aufschwung. Diese wurden mit den bhendschen Pickeln ausgerüstet und waren daher gern gesehene Werbung. In den folgenden Jahren war die Herstellung von Eispickeln die Hauptaufgabe von Alfred Bhend.

Da sich die Eispickel von Bhend vor allem sehr gut zum Schlagen von Stufen eigneten, verloren sie mit der Entwicklung moderner Steigeisen immer mehr an Bedeutung, die das Schlagen von Stufen in das Eis überflüssig machten. Der traditionelle Bhend Pickel, mit einem Holzgriff versehen, konnte zudem den immer höheren Sicherheitsstandards nicht mehr genügen. Inzwischen ist der Bhend Pickel ein Sammlerobjekt, das aufgrund seiner Optik und seiner Geschichte bei vielen Liebhabern Anklang findet. Ruedi Bhend stellt die Pickel in vierter Generation in seiner Grindelwalder Werkstatt her.

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Eispickel der Schweizer Armee

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Stefan Hilgers